Artgerechte Zoos

Juni 1, 2026

Bei der Frage, woran ein wirklich guter Zoo in Deutschland zu erkennen ist, erscheint es sinnvoller, nicht von „artgerechten Zoos“ zu sprechen, sondern von Zoos, die sich einer möglichst tiergerechten Haltung annähern. Der Begriff „artgerecht“ ist bei Wildtieren sehr weitreichend und wird fachlich wie ethisch unterschiedlich bewertet. Zwar sind Zoos in Deutschland rechtlich dazu verpflichtet, Tiere art- und verhaltensgerecht zu halten, zugleich bleibt umstritten, ob dies insbesondere bei anspruchsvollen Wildtierarten vollständig erreichbar ist. Der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass dies bei vielen Arten kaum möglich sei, während der Verband der Zoologischen Gärten betont, moderne Zoos würden ihre Haltungsstandards fortlaufend weiterentwickeln.

Große strukturierte Anlagen

Ein zentrales Merkmal eines guten Zoos sind große und zugleich strukturierte Anlagen. Nicht allein die Fläche ist entscheidend, sondern vor allem die Qualität des Lebensraums. Ein gutes Gehege bietet Rückzugsmöglichkeiten, unterschiedliche Untergründe, Kletter- und Beschäftigungselemente, Wasserflächen, Schattenzonen und Sichtschutz. Tiere benötigen keine bloß weitläufigen Flächen, sondern Umgebungen, in denen sie arttypische Verhaltensweisen ausleben können. Auch gesetzlich ist vorgesehen, dass Gehege nach Lage, Größe, Gestaltung und Einrichtung art- und tiergerecht beschaffen sein müssen.

Bewusste Artenauswahl

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die bewusste Auswahl der gehaltenen Arten. Ein Zoo, der sich auf weniger Tierarten konzentriert, diese aber auf hohem Niveau hält, ist aus tierethischer Sicht häufig überzeugender als eine Einrichtung mit möglichst großer Artenvielfalt. Je komplexer die Anforderungen einer Tierart sind, desto schwieriger ist es, diesen in menschlicher Obhut gerecht zu werden. Das betrifft insbesondere weit wandernde, hochsoziale oder klimatisch spezialisierte Tiere wie Elefanten, Menschenaffen, Eisbären oder große Raubkatzen. Gerade bei solchen Arten wird die Haltung regelmäßig kritisch hinterfragt.

Vorrang von Sozialstruktur & Tierverhalten

Von großer Bedeutung ist außerdem, dass Sozialstruktur und Tierverhalten Vorrang vor dem Schauwert erhalten. Viele Tierarten brauchen stabile Gruppenverhältnisse, Rückzug vor Artgenossen, Ruhezeiten und eine Haltung, die ihrem natürlichen Sozialverhalten möglichst nahekommt. Ein guter Zoo richtet seine Tierhaltung daher nicht in erster Linie nach Besucherinteressen aus, sondern nach den Bedürfnissen der Tiere. Dazu gehört auch ein verantwortungsvoller Umgang mit Zuchtfragen. Die Debatte um die Tötung gesunder, sogenannter überzähliger Tiere verdeutlicht, wie wichtig langfristige und verantwortliche Bestandsplanung ist.

Nachvollziehbares Tierwohlmanagement

Ebenso wesentlich ist ein nachvollziehbares Tierwohlmanagement. Gute Zoos zeichnen sich nicht nur durch ansprechend gestaltete Anlagen aus, sondern auch durch transparente Standards bei Fütterung, Beschäftigung, tiermedizinischer Versorgung, Training und Verhaltensbeobachtung. Das Bundesnaturschutzgesetz verlangt hierfür unter anderem ein schriftliches tiermedizinisches Programm. Gute Tierhaltung ist daher nicht nur eine Frage des Erscheinungsbildes, sondern auch der systematischen Betreuung und fachlichen Begleitung.

Akzeptanz von Rückzug und Unsichtbarkeit

Ein weiteres Kennzeichen eines guten Zoos ist die Akzeptanz von Rückzug und Unsichtbarkeit. Tiere sollten nicht jederzeit für Besucher sichtbar sein müssen. Rückzugsräume, die außerhalb des Blickfeldes liegen, sind ein wichtiger Bestandteil tiergerechter Haltung. Wo Tiere ständig präsent sein müssen, besteht die Gefahr, dass ihre Bedürfnisse hinter den Erwartungen des Publikums zurücktreten.

Bildung und Artenschutz

Schließlich sollten Bildung und Artenschutz nicht nur als allgemeine Ziele genannt, sondern konkret belegt werden. Der Verband der Zoologischen Gärten betont die Bedeutung zoologischer Einrichtungen für Bildungsarbeit und den Erhalt bedrohter Arten. Überzeugend wird dieser Anspruch jedoch erst dann, wenn nachvollziehbar dargelegt wird, welche Projekte unterstützt werden, welche Arten konkret profitieren und wie Bildungsarbeit tatsächlich umgesetzt wird.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen: Ein wirklich guter Zoo in Deutschland ist vor allem daran zu erkennen, dass Tierwohl über Attraktivität gestellt wird, dass nur solche Arten gehalten werden, deren Bedürfnisse in menschlicher Obhut zumindest in hohem Maß erfüllbar erscheinen, und dass Haltung, Pflege, Zucht, Rückzugsmöglichkeiten und Artenschutzkonzepte transparent und verantwortungsvoll organisiert sind. Der Begriff „artgerecht“ bleibt dabei problematisch. Die präzisere und sachlichere Formulierung lautet in den meisten Fällen: möglichst tiergerecht.

Wie ein Tierarztbesuch in Bertlin aussehen kann, erfährst Du hier.

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