Sommerferien sind für Kinder eine wichtige Pause vom Schulalltag. Für viele Familien sind sie aber längst keine unbeschwerte Zeit mehr, sondern ein organisatorischer Kraftakt. Der Grund ist einfach: Kinder haben mehrere Wochen frei, Eltern aber nur begrenzte Urlaubstage. Wenn Schule, Hort oder Ganztag schließen und Ferienangebote schnell ausgebucht, teuer oder zeitlich unpassend sind, entsteht eine Betreuungslücke, die viele Familien kaum noch aus eigener Kraft schließen können.

Eine Umfrage des Sozialverbands Deutschland zeigt, wie groß der Druck ist: Knapp die Hälfte der erwerbstätigen Eltern mit Kindern bis 18 Jahren nutzt mehr als die Hälfte des Jahresurlaubs für Kinderbetreuung in den Ferien. Mehr als ein Drittel setzt sogar über 75 Prozent des eigenen Urlaubs dafür ein. Rund 70 Prozent fühlen sich bei der Ferienbetreuung allein gelassen.

Berufliche Planung gerät ins Wanken

Für Arbeitgeber wird das Problem ebenfalls spürbar. In vielen Betrieben fallen während der Ferienzeit mehrere Beschäftigte gleichzeitig aus oder können nur eingeschränkt arbeiten. Besonders schwierig wird es in Berufen mit Präsenzpflicht, Schichtdienst, Kundenkontakt oder geringer Flexibilität. Homeoffice hilft nur begrenzt, denn ein arbeitender Elternteil zu Hause ersetzt keine verlässliche Betreuung.

Damit wird Ferienbetreuung zu einem echten Standort- und Fachkräftethema. Das Bundesfamilienministerium verweist darauf, dass Vereinbarkeit für die Fachkräftesicherung immer wichtiger wird: In einer Unternehmensbefragung setzten 77 Prozent der Firmen zur Bewältigung des Fachkräftemangels auf eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Fehlt diese Vereinbarkeit gerade in den Ferien, leidet nicht nur die Familie, sondern auch die Produktivität.

Der Rechtsanspruch löst nicht alles

Ab dem 1. August 2026 tritt der Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung für Grundschulkinder stufenweise in Kraft. Bis zum Schuljahr 2029/30 soll er für Kinder der ersten bis vierten Klasse gelten, montags bis freitags im Umfang von acht Stunden täglich. Das ist ein wichtiger Schritt, aber keine sofortige Lösung für alle Ferienprobleme. Entscheidend ist, ob Angebote auch in den Schulferien ausreichend vorhanden, bezahlbar, wohnortnah und personell gesichert sind.

Hier liegt ein Kernproblem: Schon heute fehlt Personal in Kitas und Ganztag. Laut Bundesfamilienministerium könnten im Jahr 2030 allein in Kitas zwischen 50.000 und 90.000 Fachkräfte fehlen. Ohne ausreichend Personal bleibt ein Rechtsanspruch auf dem Papier leichter formuliert als in der Praxis umgesetzt.

Was jetzt gebraucht wird

Die Frage lautet daher nicht nur: Wer betreut die Kinder? Sondern auch: Wie bleibt Erwerbsarbeit für Eltern planbar? Kommunen, Schulen, Vereine und Arbeitgeber müssen stärker zusammenarbeiten. Nötig sind verlässliche Ferienprogramme, transparente Anmeldeverfahren, soziale Staffelungen bei den Kosten und Angebote, die zu normalen Arbeitszeiten passen.

Auch Betriebe können helfen: mit flexiblen Arbeitszeiten, Ferienkontingenten, Kooperationen mit Betreuungsanbietern oder Zuschüssen. Sommerferien-Betreuung ist kein Randthema mehr. Sie entscheidet zunehmend darüber, ob Familie und Beruf im Alltag wirklich vereinbar bleiben.

Weitere Informationen zum neuen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung finden Sie hier.

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